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Schüler der Eichenbachschule diskutieren mit Kandidaten zur Europawahl

21.05.2019

Mit Delara Burghardt (26 Jahre), auf Platz 5 der Bundesliste der SPD fast sicher im neuen, am 26. Mai zu wählenden Europäischen Parlament, sowie Marianne Kolter (64 J.), auf Platz 9 der

Bundesliste der Linken, hatte die Eichenbachschule Eggebek auch zwei Kandidaten für die Europawahl unter den sechs eingeladenen politischen Vertretern zu Diskussion mit den Schülerinnen und Schülern der 8. bis 10. Klassen zu Besuch. Bei der Diskussion stellte sich jeder politische Vertreter den einzelnen Klassen jeweils für ein 20 minütiges Gespräch.

Delara Burghardt, stimmlich leicht angeschlagen von den Wahlkampfauftritten der letzten Wochen, begrüßte aus Nachfrage ausdrücklich die fridays-for-future Demonstrationen, denn sie erzeugen politischen Druck, der in der momentanen Debatte um den Klimawandel unbedingt notwendig ist. “Auch ich habe mich auf vergleichbaren Wegen politisiert,” bekannte sie und hielt ein weitreichendes Umsteuern in vielen Lebensbereichen in den nächsten Jahren für unumgänglich.

Marianne Kolter, ebenfalls Kandidatin aber auf einem weniger aussichtsreichen Listenplatz der Linken, sprach sich in der Klimafrage für ein früheres Abschalten der Kohlekraftwerke, als im Kohlekompromiss des Bundes vorgesehen, aus. Einer CO 2-Steuer erteilte sie allerdings eine Absage, da erforderliche Alternativen zur Vermeidung von CO 2 weitestgehend fehlen und daher die Steuer auf die Verbraucher abgewälzt werden würde.

Johannes Scholz (CDU), mit 19 Jahren jüngster politischer Vertreter der Runde, wies in seinem Eingangsstatement auf die Bedeutung der Europäischen Union zur Sicherung von Frieden und Freiheit in Europa hin. “Wir brauchen im globalen politischen und wirtschaftlichen Wettbewerb ein starkes, geeintes Europa, da einzelne europäische Staaten zu klein sind und wenig Einfluss haben,” war seine Überzeugung.

Hanna Wolf und Luca Köpping (beide Anfang 20J.) von den Grünen sahen den Klimawandel als Kernproblem an, dass in den nächsten Jahrzehnten eine weltweite Flüchtlingsbewegung auslösen wird. Deutlich viel ihre Kritik an der aktuellen Flüchtlingspolitik in Europa aus, denn “Europa wirft seine hehren Werte im Mittelmeer über Bord”.

Für die FDP befürwortete Broder Söhl (21 J.) auf Nachfrage von Niclas Model (16 J.), der sich auch zu anderen Themen außerordentlich aktiv am Gespräch mit allen politischen Vertretern beteiligte, die Freigabe von Canabis in einem geordneten Abgabeverfahren, um zu einer Entkriminalisierung im Bereich leichter Drogen zu kommen. In einem allgemeinen Appell an die Schüler forderte er sie zu einem aktiven Eintreten für eigene Überzeugungen und gegen gesellschaftliche Missstände auf, da nur dadurch Bewusstsein geschaffen und Verbesserungen erreicht werden können.

Waren sich die genannten Vertreter in den von den Schülern angesprochenen Themenfeldern wie Klimawandel, Bedeutung eines starken, handlungsfähigen Europas, Flüchtlingskrise, Kohleverstromung und freie Meinungsäußerung im Internet (gegen up-load-Filter) weitestgehend einig, wobei die Darstellungen sehr allgemein gehalten und oft schlagwortartig waren, so bezog Dr. Werner Vieler (Anfang 60 J.) für die AfD doch deutliche Gegenpositionen. In der Flüchtlingsfrage plädierte er für eine deutliche Abschottung, forderte unabhängig vom Aufenthaltsstatus weitgehende Integration in Gesellschaft und Arbeitsmarkt von den Flüchtlingen, wollte aber einen Spurwechsel (gut integrierte und arbeitende Flüchtlinge erhalten einen längeren Aufenthaltstitel) nicht gesetzlich ermöglichen.

Den CO 2-Ausstoß als Ursache für die Erderwärmung hielt er wissenschaftlich nicht für erwiesen und verwies darauf, dass es in der Erdgeschichte schon häufiger Klimaschwankungen gegeben hat.

Er forderte stärkere Kompetenzen in Europa für die einzelnen Staaten und könnte sich neben dem Euro oder anstelle des Euro´s auch wieder mehr nationale Währungen vorstellen.

Gegenseitige Schuldzuweisungen der Parteienvertreter blieben in den Gesprächen mit den Schülern erfreulicher Weise aus, was aber zum Teil auch in dem gewählten Ablauf begründet lag.

 

(Klaus-Dieter Rauhut)

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Schüler der Eichenbachschule diskutieren mit Kandidaten zur Europawahl